Mit STARegio die betriebliche Ausbildungsbereitschaft erhöhen: 20 Projekte gehen an den Start
Die Ausbildungsplatzsituation hat sich auch in 2003 deutlich verschlechtert. Das Verhältnis von angebotenen zu nachgefragten Ausbildungsplätzen ist weiterhin im Abwärtstrend. Lag das Verhältnis zwischen der Zahl der Ausbildungsplatzangebote und der Zahl der Ausbildungsplatznachfrager in 2002 für das gesamte Bundesgebiet im Durchschnitt bei 99,1, so verschlechtert sich die Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) in 2003 nochmals um 2,3 Prozentpunkte auf 96,6. Somit stehen nun 100 Nachfragerinnen und Nachfrager 96,6 angebotenen Ausbildungsstellen gegenüber. Besonders ungünstig zeigt sich die Situation in Hessen: Hier ist ein Rückgang der Angebots-Nachfrage-Relation um 7 Prozentpunkte zu verzeichnen. War sie in 2002 mit 100,1 noch als ausgewogen zu bezeichnen, so verringert sie sich in 2003 auf 93,1 Prozent. Ebenfalls problematisch zeigt sich die Situation in Berlin: hier sinkt die ANR um 4,9 Prozentpunkt auf nun 83,9 Prozent. Moderater zeigt sich der Rückgang in Schleswig-Holstein: die ANR fällt um 1,3 Prozentpunkte auf 98,4. Vergleichbar verhält sich der Rückgang der Angebots-Nachfrage-Relation nur in den neuen Bundesländern: einschließlich Berlin sinkt sie im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozentpunkte; in den alten Ländern sind es im Durchschnitt - 2,7 Prozentpunkte.
Diese Zahlen bestätigen die Notwendigkeit, durch gezielte strukturfördernde Maßnahmen dieser ungünstigen Entwicklung entgegenzuwirken. Mit dem Ziel „Strukturverbesserung der Ausbildung in ausgewählten Regionen“ hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im April 2003 das Programm STARegio ins Leben gerufen. STARegio fördert Projekte und Maßnahmen, die sich die Erhöhung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots durch nachhaltige Strukturverbesserung zum Ziel gesetzt haben. Mit einer Summe von derzeit 25 Mio € will STARegio die Organisation und Koordination von neuen und die Ausweitung von bestehenden Ausbildungsverbünden ebenso unterstützen wie das Ausbildungscoaching - d.h. die gezielte Beratung und Unterstützung von Ausbildungsinitiativen zu bestimmten Themen und Fragestellungen - sowie die Beratung von Betrieben durch externes Ausbildungsmanagement.
Wegen der vergleichsweise überproportionalen Verschlechterung der Ausbildungsangebote liegt der Förderschwerpunkt des STARegio Programms in den alten Bundesländern. Die Ausrichtung und Gestaltung der regionalen Projekte folgt dabei selbstverständlich den je spezifischen Problemlagen und sozioökonomischen Bedingungen in den Regionen. Es werden in erster Linie Initiativen in Regionen gefördert, in denen zwar ein ungenügendes Ausbildungsangebot besteht, zugleich aber auch ein wirtschaftliches Entwicklungspotenzial ausgemacht werden kann. Die Förderrichtlinien zum Programm STARegio, die am 15. September 2003 im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, sahen für die erste Förderrunde Zuwendungen an Projekten in ausgewählten Regionen Westdeutschlands vor, in denen die Angebots–Nachfrage–Relation (ANR) von Ausbildungsplätzen ungünstig ist. Es wurde festgelegt, dass diese regionale Unausgewogenheit immer dann anzunehmen ist, wenn die ANR von Ausbildungsplätzen mit einem Wert von < 99 und/oder ein Rückgang in der ANR von 10% für das dem Antrag vorangegangene Jahr gegeben war. Im Durchschnitt betrug 2002 die ANR in der gesamten BRD 99,1 (100,9 im Westen und 93,1 im Osten).
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), beauftragt mit der Durchführung von
STARegio, hat gemeinsam mit dem BMBF aus den bis November 2003 eingegangenen 89 Projektanträgen 20 Projekte ausgewählt, die inzwischen ihre Arbeit aufgenommen haben.
Diese verteilen sich wie folgt auf die alten Bundesländer:
Bayern: 2 Projekte
Bremen (Land): 1 Projekt
Hamburg: 1 Projekt
Hessen: 4 Projekte
Niedersachsen: 2 Projekte
Nordrhein-Westfalen: 7 Projekte
Rheinland-Pfalz: 1 Projekt
Schleswig-Holstein: 1 Projekt
Saarland: 1 Projekt
Fünf Projekten wurde bereits im Dezember 2003 das Startzeichen gegeben. Ein Beispiel ist das Projekt LEA! des Verbandes Spedition und Logistik Niederrhein. LEA! hat sich das Ziel gesetzt, im Rahmen von STARegio, die vielen kleinen Unternehmen der Transportbranche davon zu überzeugen, dass sich Ausbildung lohnt. Der Verband verfügt über intensive Kontakte zu seinen Mitgliedern, in der Region Niederrhein. Diese Kontakte haben gezeigt, dass viele Unternehmen - insbesondere kleinere und mittelständische Speditionsunternehmen - durchaus eigene betriebliche Ausbildung anbieten möchten, sich aber häufig dazu nicht in der Lage sehen oder aber den Verwaltungsaufwand scheuen. Gerade hier sieht der Verband ein hohes Potenzial für neue Ausbildungsplätze, das mit dem Projekt LEA! erschlossen werden soll. Hierzu ist unter anderem die Gründung eines „Ausbildungsvereins Logistik“ geplant, der den Verbandsmitgliedern bedarfsgerechte Unterstützung anbietet und so den Ausbildungsbetrieb durch Übernahme organisatorischer Aufgaben deutlich entlastet.
Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, jedoch in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL), wird sich das Gewerbe und Innovationszentrum Lippe-Detmold (Gilde) GmbH in den kommenden Monaten in Kooperation mit den Technologiezentren in der Region, für zusätzliche Ausbildungsplätze einsetzen. Eine Potenzialanalyse des Instituts für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen aus dem Jahr 2003 hat die unterschiedlichen Entwicklungspotenziale für die Region aufgezeigt, die zu einem nachhaltigen Strukturwandel beitragen können. An diesen Entwicklungspotenzialen möchte die Gilde GmbH ansetzen und u.a. zu einer verstärkten Ausbildung im Gesundheitsbereich beitragen. Ein von der Gilde GmbH gemeinsam mit der Stadt Detmold erprobtes Verbundkonzept, dass nach dem Modell einer Public-Private-Partnership (PPP) organisiert ist, soll im Rahmen des STARegio Projekts auch auf andere PPP Verbundmodelle in der Region übertragen werden. Das Projekt möchte alle relevanten Partner in der Region vernetzen und zu einem „Regionalen Aus- und Weiterbildungsmanagement OWL“ zusammenfassen.
Als weiteren Projektträger, konnte mit der Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement (gpdm) ein in der Ausbildungsplatzakquise bereits erfahrenes und in diesem Kontext erfolgreiches Unternehmen gewonnen werden. Die gpdm ist ein überregional tätiges Beratungsunternehmen, das seit 1998 zahlreiche Ausbildungsnetzwerke in Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aufgebaut hat. Im Rahmen von STARegio wird die gpdm in den hessischen Arbeitsagenturbezirken Göttingen, Kassel, Korbach zum einen in bisher wenig ausbildenden (jungen) Branchen und Unternehmen mit Zukunftspotenzial neue Ausbildungsstellen schaffen und zum anderen besonders Handwerksbetriebe, die sich aus der Ausbildung zurückgezogen haben, wieder als Ausbilder gewinnen. Darüber hinaus ist ein Ausbildungsverein im Metallbereich geplant, der mittelständischen Unternehmen ein Angebot von Verbundausbildung anbietet. Ein viertes Handlungsfeld der gpdm wird im Bereich der Umwelttechnologien liegen. Angesprochen werden sollen Unternehmen, Institute und öffentliche Einrichtungen, die sich mittel- und unmittelbar mit dem Thema Umwelt befassen. Ziel ist es hier, duale Ausbildungsbedarfe zu eruieren und zu generieren.
Diese drei Projekte sind als Beispiele für die im Rahmen des neuen Ausbildungsplatzprogramms gestarteten Initiativen und Maßnahmen zu verstehen. Sie, ebenso wie die anderen 17 Projekte, die mit der ersten Ausschreibungsrunde in STARegio auf den Weg gebracht wurden, haben sich das Motto der Ausbildungsoffensive des BMBF zum gemeinsamen Ziel ihrer Arbeit gemacht: Ausbilden jetzt - Erfolg braucht alle! Weitere Projekte werden ihnen bis 2007 an die Seite gestellt.
Die alarmierenden Zahlen für 2003 haben das BMBF dazu veranlasst, die dem Programm bisher zur Verfügung gestellten 25 Mio .€ nochmals um 1 (2 Mio) € aufzustocken.
Im Frühling 2005 wird es daher eine weitere Ausschreibungsrunde für STARegio Projekte geben. Die überarbeiteten Förderrichtlinien werden voraussichtlich zu Beginn 2005 veröffentlicht.
Daher war es möglich, bereits frühzeitig eine neue Ausschreibung auf den Weg zu bringen. Am 15.4.2004 wurden die überarbeiteten Förderrichtlinien im Bundesanzeiger veröffentlicht. Bis zum 21.5.2004 können Anträge beim Bundesinstitut eingereicht werden. Es stehen Mittel für mindestens 10 weitere STARegio Projekte zur Verfügung, die ihre Arbeit voraussichtlich Mitte Juli aufnehmen können. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des BIBB unter http://www.bibb.de/.